Womanizer

2014-05-23 16:35 von Gudrun Graf (0 Kommentare)

Haben der Edle Ritter und der Hallodri etwas gemeinsam?

Parzival

Eine Frau erkennt meist schnell, mit welcher Art von Mann sie es zu tun hat: Während der eine glaubt, seine „Potenz" durch hohen Frauenverschleiß zu beweisen, besticht der andere durch sein Mitgefühl für Frauen.

Entgegen dem Zeitgeist, wo Menschen glauben, Liebe sei erwerbbar wie eine Tafel Schokolade, bindet jeder sexuelle Akt zwei Menschen bleibend aneinander!

Und auch in unserer ach so aufgeklärten Zeit, sind Trennungen begleitet von Schmerz, Versagens- und Schuldgefühlen. Wenn ein Paar miteinander nicht mehr kann, hängt das mit der Herkunftsfamilie zusammen. Dort wirken unbewußt tief greifende Kräfte, wie ein Muster. Das Schicksal scheint eine Unordnung in dieses Muster gewebt zu haben, in dem die Beteiligten fest verstrickt stecken!

Was ist los mit diesen Männern, bei denen man den Eindruck gewinnt, sie seien nie in festen Händen (sie können durchaus auch verheiratet sein!)? Diesen meist attraktiven Männern, die nach Monaten, oft nach Jahren aus einer Verbindung ausbrechen oder ihre Frauen betrügen?

Das Muster unserer Vorfahren sechs Generationen zurück (!) wirkt in uns, so können wir uns vorstellen, dass es da die unterschiedlichsten Symptome und Auswirkungen gibt: Es gibt Männer (aber auch Frauen!), die die Sprengkraft „Trennung" in sich tragen. Irgendetwas, irgendwer in ihrer Seele glaubt nicht (mehr) an das Glück. Im Gewebe ihrer Muster sind Verlust, Trennung, Trauer, Angst und Lüge zu stark präsent.

Es gibt aber eben auch jene Männer, die von „diesem Glück" träumen und leiden, jedes Mal weiterziehen zu müssen, innerlich getrieben, hoffend, mit der nächsten Frau endlich einen „sicheren Hafen" gefunden zu haben. Solch ein Sohn, ein edler Ritter, ist in seinem Herzen seiner Mutter treu. Einer Frau, die meist leidend, manchmal dem Vater die Schuld für ihren Kummer gibt oder gegeben hat. Dieser Frau hat der Sohnemann versprochen, es besser zu machen als der Vater: Sie zu retten, bei ihr zu bleiben, treu zu sein bis über den Tod hinaus.

 

Dass es eine Ordnung in der Familienstruktur gibt, ist nicht erfunden: Sie hat schon immer gewirkt und so ist es auch nicht erstaunlich, dass bereits Wolfram von Eschenbach (1170-1220) ein klares Beispiel der wirkenden Ordnung in einem Familien-System beschreibt:

Parzival

Schon der Vater Parzivals, Gahmuret, ist ein Abenteurer. Als einen zweitgeborenen Königssohn zieht es ihn in die Welt hinaus, in den Orient, wo er auf eine wunderschöne Königin trifft. Er heiratet sie, hat sie aber bereits wieder verlassen, bevor ihr gemeinsamer Sohn Belakane geboren war! Er wird ihn nie sehen...

Später trifft er in Spanien auf Herzeloyde, eine junge Witwe, in die er sich sehr verliebt. Zwei Jahre bleibt er bei ihr, bevor ihn die Abenteuerlust wieder packt und er sie verläßt, bevor ihr gemeinsames Kind geboren ist. Er wird auch Parzival nicht kennenlernen, denn Gahmuret stirbt wenig später in einer Schlacht.

Zwei Frauen, beide verwitwete Königinnen, werden von einem jungen Abenteurer schwanger zurückgelassen!

Aus der Geschichte wissen wir, dass Herzeloydes Plan, ihren Sohn von Rittertum und Abenteuer fernzuhalten, nicht aufging: Wie sein Vater, hat auch Parzival eine Königin geheiratet und sie schwanger zurückgelassen.

 

Welchen Hintergrund gab es beim wohl bekanntesten Womanizer seiner Zeit?

Giacomo Casanova (1725-1798)

Seine Eltern waren Schauspieler. Giacomos Vater starb gleich nach seiner Geburt und er wurde von seiner Großmutter aufgenommen.

Giacomo Casanova war sehr gebildet, übte verschiedenste Berufe aus (auch den eines Geistlichen), doch was uns von ihm und seinem abenteuerlichen Leben wohl am meisten in Erinnerung geblieben ist, sind seine erotischen Geschichten. Sie erzählen uns von seiner Suche und wie versessen er war, Frauen zu Diensten zu sein. Doch für sich selbst fand der Charmeur in ihren Betten wohl nicht, wonach er wirklich suchte...

 

Schauen wir uns einmal Vertreter unserer Zeit an: Ritter oder Filou?

Jack Nicholson

Nicholson hat 5 Kinder von 4 Frauen und seine Ungeborgenheit kann er, trotz seiner diabolischen Ausstrahlung, nicht verheimlichen. Er wuchs mit einem Familiengeheimnis auf: Seine Großmutter gab sich als seine Mutter aus, weil seine leibliche Mutter ihn siebzehnjährig unehelich gebar. Er glaubte, sie wäre seine ältere Schwester! Die Wahrheit erfuhr er aus der Zeitung - Mitte der 70iger Jahre, als er schon erwachsen war...

George Clooney

Auf der ersten Ebene, der Elternebene, scheint es keine Trennung zu geben. Doch sein Vater, Nick Clooney, und seine beiden Schwestern wuchsen bei der Großmutter auf, weil sich die Eltern trennten, als Nick vier Jahre alt war!

Könnte es die Verlassenheit eines vierjährigen Jungen sein, die manchmal bei George hervorblitzt, ein bisschen „einsamer Wolf"?

 

Gibt es eine Lösung?

Schon Parzivals Geschichte erzählt von ihr: Parzival irrt jahrelang durch die Welt, auf der Suche nach dem heiligen Gral. Die Lösung liegt in der „richtigen Frage", die zu stellen es gilt: „gefrâget sîner nôt" - was fehlt dir (laut systemischer Ordnung: "Wer fehlt mir ? = Vater). Nachdem Parzival diese Frage gestellt hatte, kam er letztendlich mit seiner Frau und seinen Kindern zusammen!

 

Wenn das Geben und Nehmen in einer Familie gelingt, fühlen wir uns wohl. Dazu gehören ALLE Familienmitglieder, auch die fehlenden (die ersten Ehemänner der Königinnen, die Väter, die zu früh gegangen sind, die Verleugneten, die Vergessenen). Schicksalsschläge, misslingende Partnerschaften oder Krankheiten erinnern dann an die „Gespenster", die nur darauf warten, von uns gesehen zu werden: Denn Liebe ist sehen und gesehen werden!

Dann darf in der Zukunft eine Partnerschaft auch gelingen, mit der ganzen Kraft der Herkunft!  

 

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Gudrun ist diplomierte Qi-Gong-Lehrerin und Naturheiltherapeutin lebt und arbeitet in Wien und Salzburg. Neben Tao und Chi Nei Tsang hat sie sich auf Familienaufstellungen spezialisiert.

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