Holz-Element

von Gudrun Graf (Kommentare: 1)

Die Perle des Drachen

Drache Golgul Tempel Korea

Lass die Entspannung dich jetzt tiefer sinken. Die treibst mit deinem Atem einfach in ein total losgelassenes Gefühl hinein und nimmst für ein paar Ein- und Ausatmzüge die Atmung bewusst war. Dies ist das Signal für deine Seele, sich dem Atem als Reiseleiter anzuvertrauen, und sich gemeinsam mit ihm auf die Reise zu machen. Sie wird sich ganz auf das Abenteuer des Drachens einlassen, den Behüter des Holzelements.

Tief- ein und aus ....

Und plötzlich nimmst du wahr, dass durch die Atmung dein Körper immer schwerer wird. Deine Hautoberfläche scheint sich zu verdicken, sie schuppt sich lustig um deinen Körper, wird ledrig hart. Eine ausgeprägte Wachsamkeit ist dir eigen, dich durchdringt eine oberflächliche Gefühlsmischung von Müde und Unruhig. Du öffnest ein Auge, es fühlt sich ein wenig trocken an, und blickst auf das dunkelolivfarbende sanft plätschernde Gewässer neben dir, welches sanft plätschert und vor sich hin säuselt. Du ziehst mit einer deiner Krallen nachdenklich Kreise an der Wasseroberfläche. Deine empfindliche Nase fühlt sich von einem verwitternden-säuerlichen Geruch von unter der Erde dampfenden Mooses gestört, was einen bitteren Geschmack auf deiner Zunge hinterlässt. Du rülpst und fühlst dich ein wenig erleichtert.

Zu lange dauert schon die kalte Jahreszeit und du fühlst dich hier in der unterirdischen Höhle gefangen. Etwas Erde rutscht auf dein breites Gesicht mit den vielen Falten und als du dein riesiges Haupt schüttelst, wirst du vom Knacksen und Krachen deiner Knochen und deines zu lange starr gelegenen Panzerkörpers überrascht. Du versuchst dich zu strecken, da wird dir ganz schwindlig von der ungewohnten Bewegung. Doch dann spitzen sich deine Ohren und du hörst Vogelgezwitscher - die Boten der Freiheit!

Du gähnst ausgiebig und eine Feuerwolke, genährt von deinem Atem, erhellt die Höhle. Zuerst bemerkst du deine vom Rückzug ganz stumpf und glanzlos gewordene Körperoberfläche. Aber dein Blick fällt gleichzeitig auf das glitzernde Funkeln in allen Farben von Geschmeide und Edelsteinen - deinen von dir so sorgsam gehüteten Schatz! Du reibst dir deine verklebten Augen und wachst langsam auf. Willig hast du dich dem Gesetz der Gezeiten gebeugt. Hast Schutz hier an diesem Ort gesucht, während die Natur draußen unter dickem Eis und Schnee erstarrte.

Stille

Du denkst zurück an dein Leben und erinnerst dich an deine Aufgabe in der Welt. Als Beschützer und Bewahrer bist du auf die Erde gekommen. Aufgetaucht aus einem Meer bestehend aus Chaos. Durch Erkenntnis wirkst du im Weltgeschehen, du weißt von Ursache und Wirkung! Jahrhunderte hindurch wart du Hüter der tief verborgener, geheimnisvoller Schätze, die kaum sich ein Mensch jemals die Mühe machte, sie zu heben.

Auf jenem Teil der Erde, den die Menschen „Westen" nenne, verbreitete deine Anwesenheit nur Angst und Panik. Man fürchtete dich, du wurdest gejagt und bekämpft. Vernichtet solltest du werden - du und deine Schätze - vergessen - verdrängt in das unterste Dunkel der Erde, niemals sollte das dort Verborgene jemals wieder ans Licht!

Die Menschen im Osten begrüßten dich mit Respekt und Freude. Sie erinnerten sich an Wahrheit , wie an die Lotusblüte, die in jedem noch so stickigem Sumpf erblüht.

So um den zweiten Neumond herum, bei deiner jährlichen Rückkehr, feierten und ehrten sie dich!

Mit einem Freudengeheul brachst du aus der Erde hervor, bereit ans Licht zu treten und unter deinem feurigen Atem schmolz all das kalte und Erstarrte weg und gab Platz für einen Neuanfang. Ja, für diese Menschen wurdest du ein Glückssymbol! Und dankbar teiltest du mit ihnen dein SEIN.

Jahrhunderte vergingen.

Der Drache kehrt zurück

Du bist alt geworden, auch wenn Drachen ewig leben, so spürst auch du den Zahn der Zeit ... und gähnst dich wach ...  und mit jedem Atemzug wirst du stärker und schließlich siegt deine wahre Natur. Mit einem Freudengeheul brichst du aus der Erde aus und erhebst dich, noch mit ächzenden Schwingen, hinauf in den Himmel!  Wie schön!!!

Während die letzten Erinnerungen an all die vergangenen Jahrtausende in deinem Kopf ablaufen, schüttelst du alles ab und dein Flug wird ein lustvolles Gleiten. Du hilfst dem Frühling auf die Beine, säst, damit die Menschheit ernten kann. Kontrollierst mit Bedacht und Achtung das Weltgeschehen. Du siehst die Menschen, du siehst ihre Verfangenheit in Illusion. Auch im Osten haben die meisten Menschen inzwischen dich vergessen. Je größer das Vergessen wird, umso größer werden Täuschung, Trauer und Schmerz. Trotz deines Mitgefühls müssen sie selbst entscheiden, sich auf das unbekannte Dunkle, auf die geheimnisvoll leuchtenden Schätze, einzulassen!

Sanft hauchst du so manch ein Menschlein an. Der spürt dann einen leichten, sanft-warmen Luftzug und für ein paar Sekunden lüften sich der Schleier des Vergessens - eine Chance - eine Chance!! Mensch! So ruft es in dir - nütze sie!!

Meist legt sich der Nebel wieder, bevor der Mensch erwacht. Und traurig musst du mitansehen, wie viele sich dem Druck ergeben, oft erscheint dir der ganze Planet erstarrt.

Doch jetzt lässt du dich nieder - inmitten einer herrlichen Frühlingswiese. Trotz der kleinen Träne, die dir über deine schuppige Backe rollt, bist du zuversichtlich. Und schau, wirklich, es hat sich ein Mensch zu dir her - auf die Wiese - verirrt!

Noch sieht er dich nicht. Doch du, mit deinen smaragdgrünen Augen erkennst ihn und blickst bis tief in seine Seele durch. Es ist jener Mensch, der gerade diese Seelenreise macht! Ganz deutlich siehst du ihn - oder sie - vor dir. Und - du siehst alles!

Dein Mitgefühl macht den Schleier deines Gegenübers durchlässig. Staunend, vielleicht mit offenem Mund, schaut die Person dich an. Du weißt, dass du mit deinen großen treuen wahrhaften Augen überzeugst - und liebevoll und mit großem Respekt schenkst du deinem Gegenüber jetzt eine kostbare Perle, in der sich jener Hinweis spiegelt, den dieser Mensch zu diesem Zeitpunkt in seinem Leben so notwendig braucht! Und du gibst ihm all erdenkliche Zeit, in dieses Bild einzutauchen!

Und Stille kehrt ein. Ihr beiden schaut euch an.

 

Diese Geschichte ist ein Ausschnitt aus der CD "Holz-Element" von Gudrun G. Graf und ist, neben den anderen, bei ihr erhältlich.

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Kommentar von Petra Umgeher |

Liebe Gudrun, ich habe die CDs vor einigen Jahren beim Tao-Workshop erstanden. Danke, dass hier daran erinnerst. Ich nehme es zum Anlass, wieder einmal hinein zu hören! Sie sind fantastisch!

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Gudrun ist diplomierte Qi-Gong-Lehrerin und Naturheiltherapeutin lebt und arbeitet in Wien und Salzburg. Neben Tao und Chi Nei Tsang hat sie sich auf Familienaufstellungen spezialisiert.

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